Kältekammer
Über Kältekammern werden durchaus positive gesundheitliche Wirkungen nachgesagt. Diese sind belegt. Hier findest du zahlreiche Informationen sowie ein Anleitung zur Nutzung der Kältekammer:
Die Teilnehmer halten es für angebracht, eine gemeinsame Erklärung zur Anwendung der GKKT zu verabschieden. Das geschieht unter der Maßgabe, dass der therapeutische Nutzen dieser Behandlungsmethode ausreichend erwiesen ist, aber auch bei Anerkennung der Notwendigkeit weiterer Untersuchungen zu den Ursache — Wirkungsbeziehungen und den Indikationsgebieten.
Auf der Grundlage physiologischer Erkenntnisse zur kurzzeitigen Kältewirkung auf den menschlichen Organismus entwickelt, wurde ihre wissenschaftliche Fundierung besonders seit 1996 erweitert.
Ausgangspunkt der therapeutischen/ leistungssteigemden Wirkung ist der kurzzeltige extreme Kältereiz auf die ungeschützte Körperoberfläche. Unter Berücksichtigung intra- und interindvidueller Schwankungen sinkt die Körperoberflächentemperatur im Expositionsverlauf in Folge temporärer Vasokonstriktion und gleichzeitiger starker Wärmeabgabe über Konvektion (kalte Umgebungsluft) und Infrarotstrahlung auf Werte um +5°C ab. Hieraus resultieren im Unterschied zur lokalen Kälteanwendung systemische nerval-reflektorische Reaktionen, die auf der Grundlage gesicherter neuro-, thermo-, muskel- und kreislaufphysiologischer Erkenntnisse erklärbar sind. Diskutiert werden:
- Desensibilisierung/Deaktivierung von Nozizeptoren
- Blockade im C-Faser-System durch Dominanz der Erregungsleitung in den A6-Fasern
- Zentral gesteuerte Interaktionen zwischen Thermorezeption, Nozizeption und entzün- dungsprotektiven neuronalen und neuroendokrinen Prozessen
- Stimulierung der e- und Dämpfung der y-Motoneuronen-Aktivität auf der Grundlage deren generellen reziproken Reaktionsmusters auf Kältereize
- Temporäre Durchblutungssteigerung in der Muskulatur und Verbesserung ihres Stoffwechsels
- Ökonomisierungseffekte im Herz-Kreislaufsystem und im Energiehaushalt bei sportlichen Ausdauerleistungen
- Regulative Beeinflussung des zentralen Aktivitätsniveaus in Abhängigkeit von einer sympathikotonen oder parasympathikotonen Ausgangslage (wahrscheinlich über die Einspeisung von Erregungen aus Kältereizen in spinale vegetative Reflexbögen und in die Formatio reticularis) bei Verbesserung kortikaler Funktionen, wie des Assozia- tions- und Koordinationvermögens.
Wirkungskomponenten
Indikationen
Positive Behandlungsergebnisse wurden beobachtet bei
- nichtorganischen und schmerzbedingten chronischen Schlafstörungen
- primärer hypotoner Kreislaufregulationsstörung
- sympathikotonen und parasympathikotonen Reaktionslagen
- allgemeiner psychophysischer Leistungsminderung
- Asthma bronchiale
- Störungen der Bewegungskoordination (bei gestörten Propriozeption)
- Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
- Restless-legs-Syndrom und periodischen Beinbewegungen im Schlaf.
Die GKKT ist in der Regel in ein therapeutisches Gesamtkonzept einzuordnen. Bei gegebener Indikation sollte sie mit aktiven/aktivierenden somatisch orientierten Behandlungselementen (Bewegungstherapie) verbunden und/oder verhaltenstherapeutisch unterstützt werden. Bei Ergänzung der GKKT durch lokale Kälteanwendungen ist die Kurzzeit-Kaltlufttherapie anzuraten. Bei Anwendung der GKKT mit therapeutischem Ziel sollten unmittelbar vor und nach der Exposition keine stark belastenden körperlichen Aktivitäten stattfinden.
Während der seriellen Kälteanwendung ist die therapeutische Wärmeapplikation zu vermeien.
Besonders bei chronischen Schmerzen und chronischen Gelenkerkrankungen kann mit Hilfe der GKKT eine Reduzierung des Medikamenteneinsatzes erreicht werden.
Absolute Gegenindikationen
1. Herzrhythmusstörungen
2. Herzklappenfehler
3. Zustand nach Herzoperationen
4. Ischämische Herzkrankheit
5. Raynaud-Syndrom
6. Polyneuropathien
7. Schwangerschaft ab 4. Monat
8. Yaskulitiden
9. Klaustrophobie
10. Schilddrüsenunterfunktion
11. Hyperhidrosis
Altersbegrenzung
Die GKKT ist ab dem späten Kleinkindesalter (4. — 6. Lebensjahr) möglich (bei Kältekammertemperaturen um -100°C). Dabei sind Therapiefrequenz und Aufenthaltsdauer (maximal zwei Minuten) anzupassen. Die obere Altersbegrenzung wird durch den allgemeinen körperlichen Zustand bestimmt.
Nebenwirkungen
Die GKKT ist sehr gut verträglich und zeichnet sich durch eine hohe Compliance aus. Bei strikter Beachtung der Indikationen, Kontraindikationen und Verhaltensregeln sind Nebenwirkungen äußerst selten. Auftreten können:
Behandlungsablauf
Die Indikationsstellung und der Ausschluss von Gegenindikationen erfolgen durch den behandelnden Arzt. Die GKKT wird in der Regel in kleinen Gruppen (in Abhängigkeit von der Kammergröße 2 — 5 Personen) durchgeführt. Es werden handelsübliche Badebekleidung , Akren- und Atemschutz sowie festes Schuhwerk getragen. Haut und Kopfhaar müssen trocken sein. Die aktuellen Blutdruckwerte vor der Kälteexposition sollen 160/100 mm Hg nicht übersteigen. Gehbehinderte und psychiatrische Patienten sowie Kinder müssen in der Kältekammer von umgangserfahrenen Personen begleitet werden.
Die GKKT wird 1 — 3 mal täglich in Mindestabständen von drei Stunden angewendet. Die Expositionsdauer beträgt in der Regel drei, zur Leistungsoptimierung im Sport etwa vier Minuten. Die Anzahl der Expositionen in einem nach Möglichkeit unterbrechungsfreien Behandlungszyklus richtet sich nach Art, Schwere und Stadium der Erkrankung. In einem Behandlungszyklus sollte die Expositionszahl von 10 nicht unterschritten werden. Bei Ganzkörperkälteanwendungen zur Leistungsoptimierung werden die Expositionen in die individuellen Trainings-/ Regenerationsprogramme eingeordnet.
Das Original dieser Konsensus — Erklärung wird im Kurzentrum Bad Vöslau hinterlegt. Die Konferenzteilnehmer erhalten jeweils drei Exemplare. Kältetherapeutische Zentren können die Konsensus — Erklärung im Kurzentrum Bad Vöslau anfordern.